
Ein Katalog, eine Broschüre oder ein Geschäftsbericht ist ein sorgfältig gestaltetes Gesamtbild. Sobald der Text in eine andere Sprache wechselt, geraten Zeilen aus dem Takt, Wörter sprengen Textfelder und aus dem schönen Layout wird ein Flickwerk. Mit guter Planung lässt sich das vermeiden.
Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie die Übersetzung von InDesign-Dateien gelingt, ohne dass die Gestaltung leidet.
Bevor eine Datei zur Übersetzung geht, sollten alle Texte in echten Textrahmen stehen und Absatz- und Zeichenformate einheitlich verwendet werden. Versteckte Inhalte auf der Montagefläche oder in ausgeblendeten Ebenen sollten Sie vorher aufräumen.
Text, der in Bilder eingebettet oder in Pfade umgewandelt wurde, lässt sich nicht übersetzen, also halten Sie alles editierbar.
Packen Sie die Datei mit allen verknüpften Bildern und Schriften zusammen. Fehlende Schriften und defekte Verknüpfungen sind der häufigste Grund für Verzögerungen am ersten Tag.
Sprachen brauchen unterschiedlich viel Platz. Deutsch und Finnisch werden gegenüber dem Englischen oft rund dreißig Prozent länger, Französisch und Spanisch meist fünfzehn bis fünfundzwanzig Prozent. Chinesisch und Japanisch sind kürzer, brauchen aber andere Zeilenabstände.
Planen Sie deshalb flexible Textrahmen, Tabellen und Schaltflächen ein. Wer nur auf Kante gestaltet, muss später Inhalte kürzen.
Auch Sprachen mit anderer Schreibrichtung verlangen Aufmerksamkeit. Für eine Hebräisch Übersetzung muss das gesamte Layout gespiegelt werden, einschließlich Seitenreihenfolge, Ausrichtung und teilweise Bildern.
Nicht jede Schrift enthält alle Zeichen. Umlaute, Akzente, kyrillische, griechische, arabische oder asiatische Zeichen brauchen Schriftfamilien mit vollständiger Abdeckung.
Wählen Sie Schriften, die in mehreren Alphabeten stimmig wirken, damit Überschriften und Fließtext einheitlich bleiben. Testen Sie Sonderzeichen früh und nicht erst in der Korrekturphase.
Es gibt zwei gängige Wege. Entweder arbeitet der Übersetzer mit exportiertem Text und ein Grafiker setzt ihn zurück ins Layout, oder die Übersetzung erfolgt direkt in einem Werkzeug, das mit der Layoutdatei verbunden ist.
Der zweite Weg verringert Kopierfehler und schont die Formate. Legen Sie in beiden Fällen Dateiformate, Benennung und Prüfschritte vor Projektbeginn fest.
Ein Translation Memory hilft bei wiederkehrenden Sätzen wie Rechtshinweisen oder Produktnamen und sorgt für einheitliche Formulierungen im ganzen Katalog.
Formate unterscheiden sich von Markt zu Markt. Dezimaltrennzeichen, Datum, Währung und Maßeinheiten müssen den örtlichen Gepflogenheiten entsprechen, sonst zweifeln Leser an Ihrer Sorgfalt.
Prüfen Sie auch Grafiken, Diagramme und Infografiken. Beschriftungen in Bildern werden gern vergessen.
Ein perfekt übersetzter Absatz verliert seine Wirkung, wenn das Diagramm daneben in der alten Sprache bleibt.
Lesen Sie die Korrektur immer als fertige Seite, nicht als Textliste. Achten Sie auf Schusterjungen, Hurenkinder, unschöne Zeilenumbrüche, überlappenden Text und fehlende Zeichen.
Lassen Sie eine Muttersprachlerin oder einen Muttersprachler gegenlesen. Silbentrennung und steife Formulierungen fallen ihnen eher auf als der Gestaltung.
Fachverbände wie der Bundesverband Druck und Medien bieten Hintergrundwissen zu Druckprozessen und Dateivorbereitung, das bei mehrsprachigen Produktionen hilft.
Viele Unternehmen produzieren Broschüren, Preislisten, Verträge und Handbücher parallel. Wenn jede Unterlage von einem anderen Dienstleister übersetzt wird, driften Begriffe auseinander.
Der Beitrag Geschäftsdokumente übersetzen für die Expansion zeigt, wie solche Projekte koordiniert werden, damit Begriffe und Ton einheitlich bleiben.
Satz und Korrektur brauchen zusätzliche Zeit. Planen Sie Übersetzung, Einsetzen, Prüfung und Korrekturen in einem realistischen Zeitplan, statt alles in die letzten Tage vor dem Druck zu legen.
Bitten Sie um ein Angebot, das Sprachleistung und Satzarbeit getrennt ausweist. So lassen sich Optionen vergleichen, und Teile des Auftrags können bei späteren Auflagen wiederverwendet werden.
Häufig wird direkt im Layout übersetzt, ohne den Text separat zu prüfen. Auch Dateien mit überlaufendem Text sind ein Problem, denn versteckte Inhalte bleiben unübersetzt.
Kopf- und Fußzeilen sowie Musterseiten werden ebenfalls oft übersehen. Da sie auf jeder Seite erscheinen, vervielfacht sich ein einziger Fehler schnell.
Frieren Sie den Ausgangstext vor Beginn der Übersetzung ein, dann bleibt der Zeitplan stabil.
Wer regelmäßig mehrsprachige Publikationen herausgibt, spart mit guten Vorlagen viel Zeit. Legen Sie Musterseiten an, die genügend Spielraum für längere Texte lassen, und speichern Sie freigegebene Layouts für jede Zielsprache.
Translation Memorys und Glossare gehören ebenfalls zum Archiv. Bei der nächsten Auflage müssen nur neue oder geänderte Texte bearbeitet werden, was Kosten senkt und die Lieferung beschleunigt.
Halten Sie außerdem fest, welche Schrift, Größe und Zeilenhöhe für welche Sprache festgelegt wurde. Das erleichtert Übergaben, wenn Teams oder Dienstleister wechseln.
Die besten Ergebnisse entstehen, wenn Übersetzer und Grafiker miteinander sprechen. Kurze Rückfragen zu Platzbedarf, Betonungen und Bildunterschriften verhindern späteres Nachbessern.
Erstellen Sie vor der Freigabe eine kurze Prüfliste: Umlaute und Sonderzeichen, Seitenzahlen, Verweise, Bildunterschriften, Silbentrennung und Farbprofil. Haken Sie jeden Punkt pro Sprache ab.
Ein Probedruck oder eine PDF-Vorschau in Originalgröße deckt Probleme auf, die am Bildschirm unsichtbar bleiben, etwa zu enge Zeilen oder abgeschnittene Wörter am Seitenrand.
Datei verpacken, Sprachen festlegen, Schriften prüfen, Platz für Textlängen lassen, Glossar bereitstellen, Ablauf klären und eine Korrekturrunde einplanen: Mit diesen Schritten sieht Ihre mehrsprachige Publikation in jeder Sprache so gut aus wie das Original.
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